Erfolgsgeschichte zweier Gründer*innen der Fakultät für Physik

21.04.2026

Zum Welttag der Kreativität und Innovation am 21.04. blicken wir zurück, wie aus zwei Doktorand*innen erfolgreiche Gründer*innen wurden.

Aus einem Interview von April 2021.

Chiara Greganti und Jonas Zeuner lernten während ihres Doktorats an der Fakultät für Physik der Universität Wien Technologien im "Experimental Stadium" kennen und entwickelten daraus konkrete Anwendungen. In ihrem VitreaLab denken die jungen Gründer*innen Smartphone-Displays neu.

Ihr Unternehmen in zwei Sätzen…

Chiara Greganti und Jonas Zeuner: VitreaLab verwendet eine neuartige Wellenleitertechnologie, die es ermöglicht, Laserlicht in Displays zu verwenden. Dadurch lassen sich Displays mit sehr viel höherer Energieeffizienz und Helligkeit erzeugen und auch holographische Displays realisieren.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen – und wann stand fest: Wir gründen eine Firma?
Greganti und Zeuner:
Die Idee kam am Ende unseres Doktorats an der Universität Wien auf, im Rahmen dessen wir die Wellenleitertechnologie für photonische Quantumcomputing-Experimente verwendet haben. Diese hochpräzise Art, Licht zu kontrollieren, sollte auch Anwendungen außerhalb der Quantenphysik haben, beispielsweise in Displays. Daraufhin haben wir mit möglichen Partner*innen aus der Industrie geredet, um zu verstehen, ob es einen "Produkt-Market-Fit" gibt und mit der AWS (Austria Wirtschaftsservice) über eine Gründungsfinanzierung diskutiert. Die Diskussionen mit der Industrie verliefen positiv und auch die pre-Seed Finanzierung mittels der AWS hat geklappt, woraufhin wir dann das Unternehmen gegründet haben.

Sie haben Physik an der Universität Wien studiert. Inwiefern hat Ihr Studium beim Weg in die Selbstständigkeit eine Rolle gespielt?
Greganti und Zeuner:
Unser Doktoratsstudium an der Universität Wien hat eine sehr wesentliche Rolle im Hinblick auf die Gründung von VitreaLab gespielt. Wir kamen in Kontakt mit Technologien, die sich noch im Experimental Stadium befanden, und hatten somit die Möglichkeit, die Ersten zu sein, die über eine Verwendung dieser Technologien in anderen Themengebieten nachdenken konnten. Auch die Kollaborationen zwischen verschiedenen Arbeitsgruppen in Italien und Deutschland, auf deren Ergebnissen die Gründung von Vitrealab basiert, kam innerhalb des Doktorats zustande.
Generell bereitet das Doktoratsstudium auch gut auf eine Gründung vor, denn man muss eigenständig Projekte planen und sie in enger Zusammenarbeit mit den Kolleg*innen verwirklichen.

Haben Sie sich das Gründen so vorgestellt?
Greganti und Zeuner:
Am Ende war es einfacher, als wir gedacht hätten! Insbesondere die Beratung und Finanzierung durch die AWS und später INiTS haben hier eine große Rolle gespielt und geholfen, Risiken und Bedenken aus dem Weg zu räumen.

Worin liegen die großen Herausforderungen beim Gründen?
Greganti und Zeuner:
Die große Herausforderung ist, dass man die gesamte Bandbreite der Arbeiten, die in einem Startup anfallen, meistern muss. Das ist ein Crashkurs in Management, Verkauf, Finanzen, Projektplanung etc., während gleichzeitig gute Ergebnisse präsentiert werden müssen.
Das Finden der richtigen Leute für das Team und von Investor*innen sind die beiden größten Herausforderungen.


Welche Tipps würden Sie Ihren damaligen "Gründer-Ichs" aus heutiger Sicht geben?
Greganti und Zeuner:
Es ist sehr wichtig eine gute Balance aus Optimismus und Realismus zu finden. Am Ende ist man selbst die/der einzige, die/der die eigenen Ideen am besten versteht und alle anderen schauen nur von außen zu. Gleichzeitig ist es aber gefährlich, in Wunschdenken zu verfallen und die Realität zu verneinen. Wir denken der Spruch des "fail-faster" ist eine gute Herangehensweise: Man sollte so schnell wie möglich an einem Punkt ankommen, an dem sich objektiv absehen lässt, ob sich die Idee verwirklichen lässt oder nicht.

Inwiefern "bewirken" Sie mit Ihrem Tun etwas für/bewegen Sie die Gesellschaft?
Greganti und Zeuner:
Wir betreiben Prozessentwicklung für eine Technologie, die vermutlich noch viele Anwendungen finden wird, auch abseits von Displays. Unsere Kernkompetenz ist das sehr präzise Kontrollieren von Laserlicht in Glas und wir können bereits absehen, dass sich auch Anwendungen z.B. in der Telekommunikation oder der Medizin finden lassen.

Steckbrief
Name: Chiara Greganti und Jonas Zeuner
Studium: Physik an der Universität Wien
Gründungsjahr: 2018
Unser Tipp für Gründer*innen: Es ist sehr wichtig eine gute Balance aus Optimismus und Realismus zu finden.
Link zur Webseite: https://vitrealab.com/

© Alex Schuppich